Canon EOS R – Erfahrungsbericht – Test – Review

von Elmar Egner + Mehrdad Samak-Abedi

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Als ich die Gelegenheit bekam, die Canon EOS R zu probieren und darüber zu schreiben, war ich sofort Feuer und Flamme. Danke an Herrn Görlitz von FOTO-GÖRLITZ für diese Möglichkeit!

Vorgeschichte

Vor einer Weile hatte ich mehrere Modelle der EOS M Reihe von Canon ausprobieren können und war zum Teil auch positiv überrascht worden. Der Markt wird mehr und mehr geflutet mit unterschiedlichsten Angeboten zum Thema „spiegellose digitale Fotografie mit APSC und/oder Kleinbildformat“. Nachdem Samsung, Leica, Fuji und Sony recht früh auf diesen Zug aufgesprungen sind, hörte man von Canon und Nikon erstmal nichts. Nikon kam dann mit dem „Nikon 1“ System an  und nutzte kleinere Sensoren und Canon gesellte sich zum APSC-Reigen mit der EOS M. Und diese Kamera wurde verrissen. Zu langsam, zu unhandlich, zu weißdergeier. Man hatte vermutlich mehr erwartet von einem der großen Marktführer.

Tatsächlich hatte Canon, so wie andere Hersteller auch (Pentax auch nicht zu vergessen, Olympus und Panasonic im MFT-Bereich), seine Modellpalette immer weiter entwickelt. Mir selbst war das gar nicht so sehr bewusst gewesen, bis dann plötzlich die EOS M5 da war. APSC, integrierter Sucher und recht flink. Gute Konkurrenz zur Fuji T1, möchte man meinen.

Spiegellose Kleinbildformat

Wo sich allerdings überhaupt nichts zu tun schien, war der Bereich spiegelloses Kleinbildformat. Da hieß es Sony oder Sony oder Leica. Oft wurden Gerüchte gestreut über Canons und Nikons, die da kommen könnten und mache unkten diese Marken schon „tot“, „von den spiegellosen abgehängt“ oder „DSLRosaurier“ (Copyright icke!). Und dann kündigt Nikon plötzlich 2018 gleich zwei Modelle an (Z7 und Z6, beide mittlerweile erhältlich) und eine Woche später kommt dann Canon mit der EOS R aus der Kiste. (Kurz darauf dann das Panasonic-Leica-Konsortium auch noch.)

Und wieder passierte in den Foren und Kommentarbereichen (die Geißel des Internets) das, was mit der EOS M auch passiert war. Die EOS R wurde verrissen. Sensoren bei Canon alle veraltet. Bildqualität sei nicht so. ISO sei nicht so. Objektive seien nicht so. Überhaupt „für den Preis???“ usw usf. Bei mir stellte sich Neugier ein.

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Die Canon EOS R

Und da ist sie nun die Canon EOS R und was soll ich sagen? Sehr gute und durchdachte Kamera, die kaum Wünsche offen lässt und mit ihren Objektiven auch eine saugute Bildqualität liefert. ISOless fotografieren kann man auch super, sie rauscht auch nicht so. Fokus ist schnell und präzise. Immer mehr wird klar: Wer nur Datenblätter vergleicht, kann im Internet viel diskutieren, lebt aber gewissermaßen am Diskussionsgegenstand vorbei. (um es mal freundlich auszudrücken).

Nach dieser Vorrede um die Beschreibung zu verorten kommt nun ein Erfahrungsbericht zur Canon EOS R. Natürlich ist der subjektiv gefärbt. Diese Erfahrung beruht aber immerhin auf mehrwöchigen Tests mit zig verschiedenen Situationen und nicht nach einem 10min-Spiel im Laden. Auch ganz wichtig: Canon war weder Leihgeber noch bin ich da irgendwie verpflichtet. Insofern: Feuer frei!

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Haptik und Aufbau

Die Canon EOS R hat einen gut ausgeformten Griff, den die Finger umschließen können, ohne sich am Objektiv zu klemmen (siehe Sony). Selbst mit dem RF 50mm f1.2 L Monstrum ist die Kamera immer noch gut ausbalanciert. Ich habe relativ große Hände und wünschte mir etwa 5mm unten am Griff dran für den kleinen Finger. Wäre es meine eigene Kamera (vielleicht sollte ich sie Herrn Görlitz abschwatzen… 😉) würde ich noch eine Bodenplatte anbringen für diesen Zweck. Die Materialität ist wertig und das Gehäuse solide gestaltet. Alle Knöpfe haben einen klaren Druckpunkt und lassen sich auch blind erfühlen. Sehr gut finde ich das Klapp- und Drehdisplay, das man auch verkehrt rum an die Kamera klappen kann um eine displayfreie Rückseite zu haben. Alle Klappen sitzen sauber und dicht. Wie wetterfest die Kamera ist, habe ich nicht ausprobiert – bis auf etwas Nieselregen und der war problemlos.

Der Sucher springt wie bei einer DSLR etwas nach oben hervor und leicht nach hinten, so dass die Nase nicht allzu platt wird. Letztlich muss man sich fragen, wann die Hersteller von klassischen Formen abweichen werden. Die Canon EOS R sieht aus wie eine DSLR – warum? Den Sucher kann man platzieren, wo man will, man ist ja nicht an einen Spiegel gebunden.

Bedienung

Die Bedienung der Canon EOS R läuft ziemlich einfach. Das Menü ist klar (Typisch Canon) strukturiert, schnell hat man alles Wichtige gefunden. Da das Display per touch steuerbar ist, kann man sehr schnell navigieren. Wenn erstmal alle Knöpfe und Rädchen eingestellt sind (das Herstellersetting funktioniert aber auch richtig gut), kann man nahtlos loslegen. Ich glaube, ich habe 11min gebraucht, die mir noch unbekannte Canon EOS R einzurichten (inkl Zeit einstellen etc). Wifi-Konnektivität funktioniert sehr schnell und sauber im Übrigen.

Eine kleine Sache hatte mich anfangs in der Bedienung gestört und das ist der kleine Slider auf der Rückseite zwischen Sucher und Daumenablage. Der rechte Teil des Sliders ist für mich zu nah am Daumen. Ständig war beim Greifen der Kamera mein Daumen da drauf und ich fragte mich, warum sich die ISO schon wieder verstellt hatte. Den Slider kann man allerdings einzeln pro Richtung mit Funktionen belegen (oder ohne Funktion lassen). So konnte ich dem habhaft werden. Das ist in der Haptik/ Bedienung mein einzig negativer Punkt.

Sehr schön auch, dass man den Fokuspunkt per Daumen auf dem Display verschieben kann während man durch den Sucher schaut. Das habe ich bei der EOS M5 schon gemocht, hier funktioniert es auch. Allerdings ist aufgrund der Baugröße der Canon EOS R das Unterfangen etwas schwieriger.

Bildqualität

Mancherorts liest man, dass die Canon EOS R womöglich aufgrund des Sensors oder der Objektive womöglich nicht mit der Konkurrenz mithalten könne. Dem ist nicht so. Vielleicht liegt es an den negativen Kommentaren, dass sie mich so positiv überrascht. Letztlich kann man damit genauso gute Sachen abliefern wie mit jeder aktuellen Kamera auch. Allerdings gibt es für die Canon EOS R solch tolle Objektive, wie das RF 50mm f1.2 L , was wirklich eine Sahneschnitte ist. Groß ist es, aber fein! Wenn ein System solche Objektive aufweisen kann, sind dreiviertel der Miete drin. Im Grunde hat man da (beinahe) ZEISS Otus Qualität mit einer tollen Lichtstärke und (sogar 😉) Autofokus. Ich habe gelesen, dass das RF 50mm 1.2 L bei Offenblende um -3EV vignettieren solle… Nein. Ich habe sämtliche Korrekturen ausgeschaltet und es ist definitiv nicht so viel. Also nicht jeden Forumstalk glauben.

Der Autofokus sitzt und falls nicht, kann man ihn blitzschnell nachregulieren inkl Peaking, das sehr sauber sitzt. Ein einziges Mal hat der Fokus bei mir nicht gegriffen – bei Kerzenschein in einem ansonsten stockfinsteren Raum (Fokus sollte nicht auf der Kerze liegen, das wäre zu einfach.).

 Fazit

Insgesamt hat mich die Canon EOS R einerseits positiv überrascht, andererseits ist sie sehr schnell „in den Hintergrund getreten“. Sie macht ihren Job und sie macht den so gut, dass man sie bedenkenlos greifen kann, „wenn es drauf ankommt“. Insgesamt ein System, das man sich näher anschauen sollte, insbesondere wegen der phänomenalen Objektive. Wenn jetzt noch ZEISS für diesen Anschluss was liefern sollte, wäre ich im siebten Himmel.

Definitiv kann ich sagen, dass ich im fotografischen Alltag nichts vermisst habe und ich wette, das würde manchen Datenblattreitern auch so gehen, wenn sie die Canon EOS R erstmal für ein paar Tage in der Hand haben.

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Martin Achatzi kann ich absolut empfehlen.