Canon RF 50mm 1.2 L USM

Erfahrungsbericht – Test – Review

von Elmar Egner

Das Canon RF 50mm 1.2 L USM. Wenn man sagt: „Eines der genialsten Normalobjektive, das ich je hatte.“ hört sich das für Uneingeweihte etwas komisch an. 

Tatsächlich ist das allerdings so und es gibt auch simple Erklärungen dafür. Normalobjektive sind jene, die einen Bildwinkel aufweisen, der etwa der menschlichen Wahrnehmung entspricht. Bei Kleinbildformat wäre das zwischen 45mm und 55mm angesiedelt. Und da liegt das Canon RF 50mm 1.2 L USM für die Canon EOS R ja exakt mittendrin. 

Ich bin jemand, der sehr gern Normalobjektive einsetzt. Damit entstehen Bilder, die weder „reißerisch weitwinklig“ oder krass verdichtet in Teleoptik sind. Man kann sich quasi nicht hinter Brennweiteneffekten verstecken. Gleichzeitig entsteht auch ein Ausschnitt aus der sichtbaren Welt, der den Betrachtern nicht fremd erscheint. Im Laufe der Zeit kamen mir durch meine Vorliebe für diese Erzählweise etliche Variationen der Normalbrennweite unter. Ein paar dieser Objektive bleiben in positiver Erinnerung. Eines mit sehr positiven Hinterlassenschaften reiht sich da jetzt ein: Das hier besprochene Canon RF 50mm 1.2 L USM.

Bau

Würde ich sagen das Canon RF 50mm 1.2 L USM sei schon „eine kleine Perle“, dann wäre das gelogen. Zumindest auf das Attribut „klein“ hin. Eine Perle ist es. Beim ersten Auspacken war ich etwas überrascht worden. Das RF 50mm 1.2 L ist größer als ich erwartet hatte zugleich aber auch weniger schwer als gedacht. Es balanciert gerade noch gut am Canon EOS R Body, der kleiner nicht sein dürfte. Das Material fühlt sich hochwertig und leicht „warm“ an. Verbundstoffe kommen da zum Einsatz und die Bedienringe haben eine leichte Gummierung damit man sie blind finden und gut bewegen kann. Am RF 50mm 1.2 L finden sich zwei Ringe. Einer ist zum Fokussieren da, wenn man das denn so möchte. Der andere ist eine Art Funktionsring. Soll heißen, man kann darüber verschiedene Dinge steuern. Bei mir lag da nicht die Blende sondern die Belichtungskorrektur drauf. Dazu kommt ein Schalter für den Fokussierbereich. Man kann damit den absoluten Nahbereich ausklammern, was das Objektiv beim Fokussieren nochmal deutlich beschleunigt. 

Handling

Im Umgang mit dem Canon RF 50mm 1.2 L ist die schiere Größe zunächst gewöhnungsbedürftig. Inklusive Gegenlichtblende ist das schon ein ordentliches Trum. Oft habe ich mich dabei erwischt, wirklich beide Hände zu benutzen. Die Linke stützt dabei das Objektiv, das sonst viel zu kopflastig wäre. Bei der Betrachtung der EOS R hatte ich es schon einmal erwähnt – hätte der Body etwas mehr „Fleisch“, wäre das was ganz anderes. Wir denken jetzt mal an die anderen Canon L Objektive, die an DSLR zum Einsatz kommen. Das gesamte Systemgewicht ist dort jeweils höher, dennoch ist es leichter zu „händeln“, da der Kamerabody bei einer DSLR wie der 1Dx entsprechend auch größer und schwerer gebaut ist. Es stellt sich eine bessere Balance ein. Bei der EOS R würde ich da mit einem Batteriegriff gegensteuern. 

Im fotografischen Alltag funktioniert das Canon RF 50mm 1.2 L tadellos. Fokus ist ausreichend schnell und präzise. Muss er auch sein, denn bei f1.2 hat man im Bereich unter 3m Abstand schon sehr geringe Schärfentiefe. Da hilft der recht hohe Mikrokontrast des Objektivs dem Fokus natürlich sehr. Die Sensorik der Canon EOS R funktioniert dadurch zuverlässig.

Bildqualität

Wie eingangs erwähnt ist das Canon RF 50mm 1.2 L eine echte Perle. Scharf bis in die Ecken. Stellt schön und sauber frei. Das Bokeh ist sauber und nicht unruhig. Chromatische Aberrationen waren nicht zu provozieren und Flares kennt es nicht wirklich. Den Mikrokontrast finde ich auch sehr angenehm. Bei Offenblende gibt es etwas Vignettierung. Das sollte man wissen – gleichzeitig sollte man auch nichts anderes erwarten. Beim ZEISS Otus 55 beispielsweise ist das genauso. Das führt ja insgesamt auch zu einem schönen 3D-Pop, den man mit dem Canon RF 50mm 1.2L auch erreichen kann. Diese leichte Plastizität in der Abbildung macht schon Spaß. 

Für mich ist das RF 50mm 1.2 L ein echter Lichtfänger. Kleinste subtile Änderungen im umgebenden Licht kann man damit einfangen. Ein bisschen Charakter liefert es auch. Wiederum ist alles schon bei Offenblende brutal scharf (zumindest, was in der Fokusebene liegt!). Ich muss immer über Tester schmunzeln, die bei Offenblende in der Bildmitte irgendwo drauf halten und sich dann beschweren, dass an den Rändern keine Schärfe ist, wenn das dortige Objekt gar nicht in der gleichen Ebene liegt. Ok… Kann man so machen.

Fazit

Wer mit dem Canon EOS R System liebäugelt, kommt meines Erachtens nach nur schwer um dieses Objektiv herum. Low light, Portrait, Reportage, Nahbereich, Lichtspiel, Kontrastreiches… Alles kein Problem. Man muss sich nur gewahr sein, dass „klein, leicht, unauffällig“ damit nicht möglich ist. Für den offensichtlichen Einsatz jedoch gibt es in dieser Qualität kaum Alternativen (von den manuellen ZEISS mal abgesehen).