Portrait von Mary Fox
Porträt einer Frau Schwarz weiss

Portrait von Mary Fox / Monochrom CCD – 1/750s – f2.4 – ISO 320

Erfahrungsbericht – Leica APO-Summicron-M 50mm 2.0 ASPH. 11141

Im September 2015 erhielt ich von Alex Görlitz (FOTO-GÖRLITZ) das Angebot, dass Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 (Bestellnummer 11141) zu testen. Ich muss gleich vorwegnehmen. Ich bin kein „Pixel-Peeper“ oder jemand, der sich anhand diverser Tabellen an technischen Werten ergötzt.

Beim Auspacken und Betrachten des Objektives, musste ich schon etwas schmunzeln. Wie kann so ein kleines Objektiv als eines der Besten der Welt gelten? Ich hatte bereits mit dem Zeiss Otus 55mm 1.4 und Zeiss OTUS 85mm 1.4 gearbeitet, die an der optischen Qualität gemessen, Objektive der Spitzenklasse sind.

Leica Monochrom + 50mm 2.0 APO

Monochrom CCD + 50mm 2.0 APO

Die Haptik

Nun hatte ich dieses kleine Meisterwerk, das gefühlt nur etwa ein Drittel wiegt, im Vergleich zum Zeiss Otus. Bereits der haptische Eindruck ließ erahnen, wieviel Know-How und Erfahrung in den Bau dieses Objektives geflossen sind. Der Fokusring läuft butterweich. Einer der ersten Aspekte, die mir besonders gefielen, war die integrierte Sonnenblende, die man durch einen Dreh ausfahren kann. Von den Canon Objektiven war ich immer noch an die billigen Plastiksonnenblenden gewohnt. Beim APO merkte man schnell, dass dahinter ein völlig anderer Qualitätsanspruch und Konzept steckt – ein Objektiv als Einheit.

Erster Eindruck

Bereits beim Betrachten der ersten Aufnahmen auf dem verhältnismäßig schlechten Display meiner Leica Monochrom, konnte ich erahnen, warum das Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 als das beste Standardobjektiv im Leica Sortiment gilt. Das Display der Monochrom ist jedoch nicht wirklich geeignet um die Qualität einer Aufnahme hinreichend zu beurteilen.

Nachdem ich die ersten Bilder auf meinem Rechner importiert hatte, war natürlich mein erster Reflex in die 100% Ansicht zu zoomen, obwohl ich kein „Pixel-Peeper“ bin. Was da meine Augen erblickten, war einfach atemberaubend. Der Detailreichtum und der Mikrokontrast waren für mich auf einem völlig neuen Level. Außerdem fielen mir die weichen und cremigen Übergänge von den scharfen in den unscharfen Anteil der Bilder auf, die ich in dieser Güte noch nicht gesehen habe.

Porträt einer Frau in schwarz weiss

Laura-Emily / Monochrom CCD – 1/500s – f2.8 – ISO 1000

Ein Aspekt, der mich besonders interessierte, ob das APO Summicron „nur“ ein optisch-mechanisches Meisterwerk der Objektivbaukunst ist, welches einen „klinischen“ und „sterilen“ Bildlook liefert oder ob es eine eigene Note und Charakteristik aufweist, welches das Herz des passionierten Leica-Fotograf schneller schlagen lässt, wie die unverwechselbare Signatur eines Leica M 50mm 0.95 Noctilux ASPH.

Zu meiner Verwunderung war es eine Mischung aus Beidem. Als Erstes fällt die enorme Auflösung gepaart mit einer unnachahmlichen Klarheit ins Auge. Die DNG-Dateien sind bereits „Out of Cam“ extrem scharf und haben einen hohen Kontrast. Darüber hinaus entfalten die Aufnahmen mit dem Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 eine klassische und zeitlose Bildästhetik. Die Kombination aus Monochrom und Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 liefert einen Reichtum an Mitteltönen, den man in dieser Qualität mit keiner Schwarz-Weiß-Konvertierung erreichen kann. Die Mitteltöne tragen wesentlich zu dem klassischen Bildeindruck bei.

Porträt einer Frau auf der Bank in schwarz weiss

Mary Fox / Monochrom CCD – 1/1500s – f2.4 – ISO 640

 

Auf Grunde der Tatsache, dass das Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 ein nahezu „perfektes“ Objektiv ist, in das der Objektivdesigner Peter Karbe das jahrezehntelange KnowHow der Firma Leica hat einfließen lassen, könnte man zu der Annahme gelangen, dass es durch die Eliminierung aller denkbaren Bildfehler eine Optik ohne „Seele“ sei. Lieben doch die meisten Leica-Fotografen vor allem die „Schwächen“ und die Imperfektion bestimmter Objektive, die dem Endergebnis eine einzigartige Charakteristik verleihen – wie zum Beispiel die Flares des Summilux bei Gegenlicht, die gern von Portraitfotografen als Stilmittel eingesetzt werden.

Doch gerade die Art und Weise, wie das Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 mit Licht umgeht, kreieren eine völlig neue Charakteristik, die nach heutigem Stand von Manchem als „perfekt“ bezeichnet werden kann. Aus meiner Sicht ist das Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 wie kein anderes in der Lage einen Bildeindruck zu erzeugen, dass dem Betrachter das Gefühl vermittelt, sich unmittelbar in der Szenerie zu befinden. Ein weiterer Bestandteil dieser Charakteristik ist eine besondere dreidimensionale Darstellung. Die Motive werden äußerst realistisch und „greifbar“ abgebildet, ohne dass diese „plastisch“ und unnatürlich wirken. Da das Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 eine Szene so realistisch abbildet, könnte man den Eindruck gewinnen, es sei nicht vorhanden. Objektive wie das Leica M 50mm 0.95 Noctilux ASPH. hingegen, drängen jedem Bild eine bestimmte Signatur auf, die diese zu Spezialisten für ein begrenztes Einsatzgebiet machen.

Älteres Ehepaar Händchen haltend in der Dresdener Innenstadt

Eine Liebe fürs Leben in Dresden / Monochrom CCD – 1/3000s – f2.0 – ISO 320

In Puncto Schärfe bestehen keine Zweifel, dass das Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 das schärfste Objektiv der Firma Leica ist. Bereits bei Offenblende f/2.0 weist es einen Grad an Schärfe auf, den andere Objektive erst bei Blende 5.6 – 8 erreichen. Dies führt dann auch zu detailreichen Aufnahmen, die das volle Potenzial des Sensors der Monochrom abrufen. Selbst die kleinsten Bilddetails werden knackscharf abgebildet. Die Kombination aus der geringsten Fokusdistanz von 70cm, der Fähigkeiten des Sensors ohne Bayer-Filter, dem Detailreichtum, der Klarheit und Auflösung sorgt für eine Bildqualität auf Mittelformat-Niveau. Doch die technische Schärfe ist am Ende kein entscheidendes Kriterium und kein Garant für gute Bilder.

Porträt einer Frau mit Hut in Berlin

Berlin mit Katrin Lailach / Monochrom CCD – 1/250s – f2.4 ISO 800

Ich hatte das Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 im Rahmen meiner Tests bewusst unter ganz verschiedenen Bedingungen und Einsatzgebieten verwendet, um ein breites Spektrum an Erfahrungswerten zu gewinnen. Dabei stellten sich im Verlauf folgenden Fragen. Ist das Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 den relativ hohen Preis (aktuell 7400€) wert? Für welche Einsatzgebiete ist es in der Praxis geeignet? Wie passt es zu meiner fotografischen Arbeit, meinem Stil? Wie ergänzt es sich mit meinem Leica M 50mm 0.95 Noctilux ASPH. und gibt es letztlich einen Grund, das Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 zu kaufen?

Dresdner Zwinger in schwarz weiss

Dresdner Zwinger / Monochrom CCD – 1/1500s – f4 – ISO 320

Insgesamt fällt mein Fazit positiv aus. Wer den stolzen Preis von 7400€ Euro für das Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 aufbringt, bekommt dafür das Beste aus 100 Jahren Erfahrung in der Objektivbaukunst. Optisch hat das Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 nahezu keine Fehler und die anfänglichen Problematik mit den Flares, wurde von der Firma Leica in einer überarbeiteten zweiten Version beseitigt. Die Haptik und die Verarbeitung des Objektivs sind auf höchstem Niveau. Die Bildqualität steht den Zeiss-Otus Linsen in nichts nach, mit dem Vorteil, dass das Gewicht des Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 nur ein Drittel eines Zeiss Otus beträgt. Dadurch ist es leicht zu transportieren, nimmt wenig Platz weg und vielseitig einsetzbar. Ein wesentlicher Punkt für mich ist das Handling und das schnelle Fokussieren. Das macht das Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 zu einer Premium-Optik für die Straßen- und Reportagefotografie, da es durch den kurzen Fokusweg wesentlich einfacher ist, auch bewegte Motive scharf einzufangen. Die Monochrom ist aktuell die einzige Kamera im Leica-Programm, dass das Potenzial des Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 abrufen und darstellen kann.

Für mich persönlich ist das Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 die perfekte Ergänzung zu meinem Leica Noctilux f/0.95. Ich bin ein Liebhaber der Brennweite 50mm. Das Leica M 50mm 0.95 Noctilux ASPH. habe ich gekauft, um damit fast ausschließlich bei Offenblende zu arbeiten. Doch setzt man das Leica M 50mm 0.95 Noctilux ASPH. über einen längeren Zeitraum häufig ein, kann man von dessen Look gesättigt sein. Darum ist das Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 eine perfekte Alternative, wenn man etwas Anderes probieren möchte und einen Bildlook wünscht, der neutraler und realistischer ist. Somit sind das Noctilux und das Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 für mich wie Ying und Yang. Durch die geringere Fokusdistanz lassen sich außerdem einzigartige Detailaufnahmen erstellen, die beispielsweise eine Hochzeitsserie unheimlich bereichern. Das Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 ist auch gut für Closeups oder Kopfportraits geeignet. Es ist nur darauf zu achten, unliebsame Details in der Nachbearbeitung zu entfernen und die Haut etwas weich zu zeichnen. Mittlerweile ist das APO, dass ich von Alex Görlitz zum Testen bekam, in meinem Besitz übergegangen und mein fester Begleiter. Ich setzte es besonders gern dann ein, wenn ich länger unterwegs bin und eine leichte portable Ausrüstung benötige. Das relativ hohe Gewicht des Leica M 50mm 0.95 Noctilux ASPH. wirkt sich bei längeren Fototrips doch etwas negativ aus. Außerdem ist das Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 ein gutes Beispiel für die Philosophie des M-Systems.

Größenvergleich Monochrom + Noctilux vs. Monochrom + 50mm APO

Links: Monochrom CCD + 50mm 0.95 Noctilux – Rechts: Monochrom CCD ü 50mm 2.0 APO

 

Auf der Straße ist man mit der Kombination aus Monochrom und Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 wesentlich unauffälliger und dies ermöglicht es, Alltagsszenen in ihrer vollen Natürlichkeit festzuhalten. Der hohe Anschaffungspreis ist sicherlich eine erhebliche Investition. Doch dieser Preis relativiert sich, wenn man bedenkt, dass dieses Objektiv für eine ganze Lebensspanne konzipiert und gebaut ist. Das volle Potenzial des Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 werden erst zukünftige Kameragenerationen abrufen können. Mit der Monochrom, dem Leica M 50mm 0.95 Noctilux ASPH. und dem Leica APO-Summicron-M 50mm ASPH f/2.0 entsteht in mir erstmals das Gefühl, dass „Instrument“ zu haben, mit dem ich meine Visionen am besten umsetzen kann und stillt das Verlangen, stets nach neuerem und „besserem“ Equipment Ausschau zu halten.

Straßenkünstler in Dresden

Straßenkünstler in Dresden / Monochrom CCD – 1/4000s – f2.4 – ISO 320

 

Ausgehend von meinem subjektiven Empfinden, erreicht keine andere Marke als die Leica Camera AG, mit der Kombination aus der Leidenschaft zur Fotografie und der Liebe zum Equipment, meine ganzen Fähigkeiten abzurufen, sich neuen Herausforderungen zu stellen und das Gefühl zu haben, wesentliche Fortschritte zu erlangen in seiner künstlerischen Entwicklung. Keine andere Marke versteht es so gut, die Grundelemente der Fotografie in essentieller Form und Einfachheit zu verbinden.

Wer sich ebenfalls für das M 50mm 2.0 APO begeistert kann sich hier über gebrauchte Angebote bei FOTO-GÖRLITZ informieren.

Autor: Jan Hartmann Website     /    Facebook

 

Historisches Gebäude Historische Gebäude Porträt eine Frau mit Hut in einer Bahnhofshalle Straßenszene an einem Café Porträt einer Frau

2 Kommentare
  1. Miklós Takács sagte:

    Hervorragender, sehr informativer und gut nachvollziehbarer Erfahrungsbericht, fasst knapp zusammen, was ich von anderen Berichten schon gelesen hatte.
    Wunderschöne, stilvolle, zeitlose Bilder!
    Kleine Frage: ist die Vignettierung, die auf einigen der Bilder sehr prominent erscheint, nachträglich „eingearbeitet“ oder ist sie tatsächlich bei voller Blendenöffnung so deutlich? Nicht, dass es nicht ein schöner Effekt wäre, aber unterstreicht Ihre Aussage, dass das Objektiv nicht nüchtern oder steril zeichnet.
    Vielen Dank für den wertvollen Beitrag und die wunderschönen Bilder!
    Miklós Takács

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  1. […] sowie die Voigtländer Nokton 40mm F/1.2 asph. und Nokton 50mm F/1.5 asph. Von Leica kamen das APO-Summicron 50mm 2.0 sowie das Summilux-M 50mm 1.4 asph.  in Betracht. Letzteres wurde mir freundlicherweise von […]

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