Leica M 24mm 1.4 asph. Summilux 11601

Erfahrungsbericht – Test – Review

von Mehrdad Samak-Abedi

Leica M 24mm 1.4 Summilux ASPH. und Paul Ripke?

Ich gebe es zu, ich mag den WM-Fotografen, den Insta-Papst und wie sich Paul Ripke sonst noch so nennt. Vielen würde er vor allem durch seine Fotos der deutschen Fussball Nationalmannschaft auf dem Rasen von Maracanã 2014 bekannt. Ich staunte nicht schlecht, als ich ihn da mit seiner M Typ 240 und dem Leica M 24mm 1.4 Summilux asph. sah. Ganz ehrlich, auf so einem einzigartigen Event würde ich wohl auf Nummer sicher gehen und eher auf ein anderes Kamerasystem setzen. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Paul Ripke hat alles auf eine Karte gesetzt und nicht nur wirklich einzigartige Bilder geliefert, sondern eben auch sehr deutlich gezeigt das es eben nicht auf die Kamera oder das System ankommt, sondern auf den Fotografen und seiner Idee vom Bild.

Allerdings soll es ja hier nicht um Paul Ripke gehen sondern um das Leica M 24mm 1.4 Summilux gehen. FOTO-GÖRLITZ war so freundlich mir ein Exemplar zur Verfügung zu stellen, damit ich mir das Objektiv genauer ansehen kann, denn 24mm ist einer meiner liebsten Brennweiten. Ich hatte zu dem Leica Elmar 24mm 3.8 auch schon auf unserem Blog berichtet. Ganz nebenbei ein wirklich herausragendes Objektiv, leider etwas lichtschwach. Die Lichtstärke und ich gebe es zu auch Pauls Bilder waren ein Grund warum ich mir dieses Objektiv schon lange einmal genauer ansehen wollte.

Leica M 24mm 1.4 Summilux ASPH. eine legendäre Linse!

Bei dem Leica M 24mm 1.4 Summilux handelt es sich um ein Weitwinkelobjektiv mit asphärischer Linse und floating Elements. Dies garantiert, dass die Schärfe über den gesamten Fokusweg dort sitzt wo es eben sein soll. Vor allem bei einem so lichtstarken Objektiv wie dem Leica M 24mm 1.4 Summilux ist das wichtig.

Was ich sehr mag ist die Leica typische Schraubsonnenblende. In dieser Art noch nicht gesehen habe ich das System bei Verwendung von Filtern. Diese werden nicht eingeschraubt, sondern in die Sonnenblende eingelegt und dann wird eben diese auf das Objektiv geschraubt. Das finde ich clever gelöst, aber es bedeutet natürlich auch, dass man gegeben falls ein extra Filterset für dieses Objektiv benötigt.

Was bei dem Leica M 24mm 1.4 Summilux auffällt, vor allem im Vergleich zu dem Elmar 24mm 3.8, es ist groß und schwer (76mm lang und 500g schwer) . Allerdings reden wir hier auch von einem Objektiv für das Leica M System und da ist groß und schwer eher relativ. Die Fertigungsqualität ist wirklich Top! Die Fokusschnecke läuft sehr angenehm. Interessanterweise vermisse ich bei dem Objektiv den Fokusstab. Ich bin ja eigentlich gar kein Fan von dem Fokusstab, aber ich habe mich wohl mittlerweile so daran gewöhnt, dass ich ihn jetzt eben vermisse. An der Leica M10 bevorzuge ich das Objektiv tatsächlich in Kombination mit einem Handgriff. Es liegt so deutlich besser in der Hand.

Weitwinkel an der Leica M

Tatsächlich ist das Leica M System für Objektive weiter als 28mm ohne Hilfsmittel eher nicht gut geeignet, zumindest nicht wenn man auf akkurates framing wert legt. Vielleicht liegt es an meiner Vorliebe für diese Brennweite, tatsächlich brauche ich eher keinen Aufstecksucher wenn ich mit dem Leica M 24mm 1.4 Summilux fotografiere. Ich kann das über den Sucher recht gut abschätzen. Ab der Leica M (Typ240) hat man ja glücklicherweise auch das Display der Kamera.

Was ich an dem Leica M 24mm 1.4 Summilux sehr mag ist natürlich seine Lichtstärke. Bei einem Weitwinkel mit Tiefenschärfe zu arbeiten ist ja nicht so selbstverständlich, vor allem wenn die Naheinstellgrenze auch noch bei 0,7m liegt. Im übrigen ist dies mein persönlich größter Kritikpunkt an Messsucherkameras. Anyway!

Mit dem M 24mm 1.4 Summilux kann man z.B. recht gut in kleineren Räumen mit der Tiefenschärfe arbeiten. Die 24mm sind für Reise- und Reportagefotografen per se eine sehr geeignete Brennweite, die Lichtstärke beim Summilux gibt einem noch ein zusätzliches Feature. Diese Lichtstärke hat aber auch ihren Preis. Größe und Gewicht eben. Ach ja und natürlich auch Geld. Aber dies ist bei Leica eh ein Thema worüber man sich nicht wundern oder gar aufregen sollte. Dann lieber einen großen Bogen um diesen Hersteller machen. Ich jedenfalls nutze sehr gerne und oft ein 24 oder auch 21mm an meinen M’s.

Leica M 24mm 1.4: Bildqualität

Offen ist das Objektiv in der Bildmitte sehr schön scharf. Blendet man ab, steigert sich diese Schärfe deutlich auch zu den Rändern und die Vignettierung verschwindet auch sehr schnell schon ab f2.8. Bei f5.6 bzw. f8 würde ich sagen ist es am schärfsten. Wovor ich vor der Nutzung etwas Sorge hatte war das es offen etwas weich wirken könnte. Tatsächlich ist dies zum Glück nicht der Fall. Wie gesagt zu den Rändern hat auch Leica es noch nicht geschafft die Physik zu überlisten.

Was mich sehr überrascht hat war, wie deutlich die chromatischen Aberrationen ausfallen. Die habe ich teilweise schon erkennen können ohne in die 100% Ansicht gehen zu müssen. Vielleicht bin ich als Leica M Apo 50mm 2.0 Nutzer hier aber auch einfach schon total verwöhnt? Zum Glück ist dies aber nichts, was nicht per Software korrigiert werden kann.

Im Vergleich zum Elmar 24mm finde ich es nicht so scharf, aber das ist auch fast unmöglich, da das Elmar 24mm in Punkto Schärfe wirklich herausragend ist. Zumindest empfinde ich das beim betrachten meiner Bilder im Vergleich so. Das Leica M 24mm 1.4 würde ich tatsächlich auch eher als ein 24mm mit dem man Menschen gut in Szene setzen kann sehen. Alleine durch die Lichtstärke ist dies in Verbindung mit Menschen und dem einfangen der erweiterten Szenerie, eine sehr gute Sache. Manch einer würde das Summilux mit seiner Lichtstärke als One-Trick-Pony bezeichnen, tatsächlich ist das natürlich nicht so. Abgeblendet ab f4 steht es dem Elmar in kaum was nach.

Leica M 24mm 1.4: Fazit

Zu dem Leica M 24mm 1.4 Summilux kann man tatsächlich sagen, dass man hier für sein Geld ein wirklich tolles und vielseitiges Weitwinkelobjektiv für das M-System erhält. Schärfe und Charakter sind Leica gemäß wirklich sehr gut. Ich mag das neue Design der festverschraubten Sonnenblenden. Interessant finde ich das Filtersystem bei dem Summilux 24mm. Dem Summilux hätte meiner Meinung nach ein Fokusstab ganz gut gestanden. Blende f1.4 an einem Weitwinkel ist natürlich genau mein Ding und es hat richtig viel Spass gemacht mit diesem Objektiv zu fotografieren und die Ergebnisse sprechen mich auch alle sehr an.

Aber auch bei dem M 24mm 1.4 ist nicht alles perfekt. Die Größe und das Gewicht finde ich schon etwas extrem. Ich persönliche nutze das M System vor allem wegen seiner geringen Größe und dem Gewicht, hier kratzt das Leica M 24mm 1.4 etwas an meiner persönlichen Schmerzgrenze.

Wer allerdings ein lichtstarkes 24mm mit Leica M Anschluss sucht und der Preis keine allzu große Rolle spielt, der findet in dem LEICA SUMMILUX-M 1:1,4/24MM ASPH. einen wirklich herausragenden Begleiter.

Auf dem Gebrauchtmarkt kann man mitunter gute Preise finden.