Testing the new Leica 75mm f/1.25 Noctilux-M ASPH on Leica M9, M10 and Leica SL – Cemal Sagnak

(Für den deutschen Testberichte bitte runterscrollen)

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When I heard the first time about the new Leica 75mm f/1.25 Noctilux-M ASPH , my first question was, what does such a lens cost and how do you get the focus right on a “razor thin” depth of field ? 

This article is about the usability on Leica M9 + M10 and SL cameras. This is a challenge, considering, this high performance lens is designed for Leica rangefinder cameras like M10, M240 or M9 with manual focus where the dof is lower than that of the LEICA Noctilux-M 50mmf/0.95 ASPH, to be precise its almost half.  The first question was easily answered and no surprise, this is currently the most expensive Leica lens available for M-mount,  with a price tag of 11.900 Euro. A Noctilux has never been a bargain and it will not. 

But how about the usability and precision on a manual rangefinder camera ? Thanks to a loaner of my preferred Leica dealer Alexander Görlitz from FOTO-GÖRLITZ in Germany i was able to figure it out. As soon I received the lens and had this masterpiece in my hands, you feel each Euro it costs. Everything about it is pure perfection, the materials, the handling of aperture and focus ring, it’s a pure joy to use. 

The customer will not be disappointed. As an experienced user of Leica cameras and lenses I am used to this high standard, but this lens beat anything in perfection what I used or tested before. And it better does for the price. Technically the Noctilux 75mm 1.25 is build of 9 lenses in 6 groups, containing two aspherical elements and a Floating element to correct the image performance through the entire range.Leica-75mm-1.5-Noctilux-foto-görlitz

The Leica optical engineering team did a great job in making it a relatively compact lens with 67mm front filter thread. However its weight is about 1055 grams.  The purpose and field of application this lens is for sure Portrait Photography and it wants to be used wide open!! I go even so far to say it is “THE” Portrait Lens. 

For my test I decided to use the Leica SL, Leica M10 and Leica M9, the latter being my main camera. This pretty much covers the range for which this camera is made for. Of course it is adaptable to use on other cameras like the Sony Alpha series as well.

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The Leica SL has an electronic viewfinder with focus aids that made my life easier, the M9 and M10 i mainly focused with the optical rangefinder. With the M10 (or M type 240) you have the option to use an external electronic Viewfinder (Visoflex),  but my M9 has no such thing given the CCD Technology that does not allow live view. In this case I had to rely on the optical RF only. 

If you plan to use the Leica 75mm f/1.25 Noctilux on an M8/M9 , I strongly recommend to calibrate your camera with the lens at your Leica Service Point. Considering the “razor thin” dof. Even with lots of experience in using a rangefinder there is a quite a learning curve when it comes to focus the lens precisely.

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As soon as you master the Noctilux 75mm , I can promise you a magical bokeh , the smoothest transition to the out of focus field,  in combination with an incredible sharpness, even shot wide open. I never thought its possible that a lens  can be that sharp wide open at f/1.25.

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My conclusions :

First of all a big thanks to my wife Hatice and my daughters who patiently helped as model for this test. Despite of the weight the lens handled surprisingly good on the M10 and M9. Even with the little time for practice that I had, just a couple of days between business trips, I was able to manage the focusing.  The Focus on the M10 was always spot on. The lens revealed a little front focus on my M9, which I tried to compensate for, but when i nailed focus I was rewarded with colors and a rendering, which resembled in their appearance of a painting. Focusing on the Leica SL was the easiest through the evf, still I enjoyed shooting the rangefinder style more. That might be due to the reason that with the combination of the SL and the Noctilux 75mm you easily reach a total of 1.8 kg. Maybe not too much for you but I am used to light gear which i prefer on my frequent travels.

 

For whom this lens is: 

If you have the budget, the Noctilux  75mm aims for the ambitious or professional photographer who wants to create wonderful portraits even in low light. If you already own the 50mm Noctilux 0.95 you might want to skip the 12.250 Euro Investment. In combination with a 35mm Summilux or Summicron you will be set to cover a wide range while traveling with two lenses only. 

I personally enjoy 35mm/75mm as a two-lens combination very much.

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Leica Noctilux-M 1:1,25/75 asph. – ein Erfahrungsbericht von Andreas Jorns

Andreas Jorns - Porträt

Andreas Jorns

Wie schreibt man einen Erfahrungsbericht über ein Objektiv (Leica M Noctilux-M 1:1,25/75mm asph.), das mehr kostet als ein Kleinwagen? Insbesondere wenn man keine Ahnung hat vom Testen eines Objektivs. Und das irgendwie auch gar nicht mag – dieses Schreiben über Technik und so. Kann ich nicht. Will ich nicht. In etwa so habe ich reagiert als ich vor einigen Wochen das Angebot von Alexander Görlitz, Inhaber von FOTO-GÖRLITZ, bekam, das neueste Leica M-Objektiv für 2-3 Wochen zu testen und im Gegenzug einen kleinen Erfahrungsbericht für seine Webseite zu schreiben. Da er mich und meine Ansichten zur Fotografie durch meine Blog-Artikel wohl ein wenig zu kennen scheint, hat er gleich dazu geschrieben, dass ich nichts Technisches schreiben muss – einfach nur meine Eindrücke garniert mit ein paar Beispielfotos.

Wenn es nicht eben JENES Objektiv gewesen wäre, hätte ich dennoch dankend abgelehnt (Grund siehe oben), aber diese Gelegenheit KONNTE ich mir einfach nicht entgehen lassen. Ein Objektiv, das ich mir nicht leisten kann und das nicht einmal für

Diejenigen lieferbar ist, die bereit sind, die geforderten irrwitzigen knapp 12.000 Euro auf den Ladentisch zu legen (was Leica-typisch dazu führt, dass die Preise auf ebay sich derzeit bei ca. 15.000 Euro einpendeln – ein Kurs, der angesichts der jährlichen Preiserhöhungen von Leica spätestens im übern.chsten Jahr auch offiziell in der Preisliste stehen wird). Noctilux-M 1:1,25/75mm asph. heisst es im offiziellen Leica-Prospekt. Nicht ohne die reisserische Ergänzung „Die Revolution der Portraitfotografie.“ Nun ja, schreiben kann man viel. Aber die Wahrheit liegt nun mal auf’m Platz – hat ein berühmter deutscher Philosoph mal gesagt (vielleicht war’s aber auch nur Andy Brehme). Schaue ich mir das Ding halt mal an und schreibe meinen ersten (und wahrscheinlich auch letzten) Testbericht über ein Objektiv. Um diesen Bericht richtig einordnen zu können, muss man mich wahrscheinlich ganz gut kennen – allen anderen bleiben wenigstens ein paar nette Bilder (oder sie lernen mich durch diesen Bericht ein bisschen kennen – wer weiss das schon?).

Tabea in der Unschärfe Leica Noctilux M 75mm 1.25

Vorausschicken muss ich, dass ich bereits seit 2009 mit digitalen M-Kameras fotografiere – seit der M9 um genau zu sein. Ein klein wenig Expertise bringe ich also durchaus mit. Meine Lieblingskamera der letzten Jahre ist die M Monochrom von Leica (als Schwarzweiss-Fotograf bin ich damals einfach nicht am Kauf vorbeigekommen) – zunächst viele Jahre die CCD-Version und seit einem Jahr die CMOS-Version auf Basis der M (Typ240). 1,5 Bildbände habe ich mit dieser Kamera fotografiert und bei ca. der Hälfte aller Fotos dürfte das Noctilux-M 0,95/50mm an der Kamera gewesen sein. Ich habe also Erfahrung mit dem manuellen Fokussieren von hochlichtstarken Objektiven an einer Messsucherkameras. Diese Erfahrungen schwanken regelmässig zwischen „geht erstaunlich gut“ und „pain in the ass“ – aus letzteren Gründen habe ich mir irgendwann die Leica SL gekauft, mit deren (vorzüglichem) elektronischen Sucher das Fokussieren sehr leicht von der Hand geht (90% Trefferquote bei offener Blende). Ich habe mir daher vorgenommen, das neue Noctilux 75 erst mal an der SL auszuprobieren. Aber erst mal galt es, das Objektiv auszupacken.

Isabelle Porträt Leica Noctilux M 75mm 1.25

Erster Eindruck: kleiner als ich dachte

(und dennoch monströs für ein M-Objektiv wenn ich es z.B. mit meinem Summicron 35mm vergleiche). Und dann nahm ich das Ding in die Hand – und spontan gab ich dem Noctilux den liebevollen Beinamen „der Gerät“ (und kündigte zeitgleich meine Fitnessclub-Mitgliedschaft für den nächsten Monat). Alter Schwede! Was für ein Brocken! Das ganze Ding besteht nur aus Glas (viel Glas!) und Metall (viel Metall!). Ziemlich genau ein Kilogramm wiegt das Noctilux und jetzt kann man sich natürlich darüber streiten, ob ein Kilogramm wirklich viel ist. Ein Kilo Erdbeeren putze ich weg wie nix – das ist mal sicher.

 

Aber ein Kilogramm Glas und Metall, das an eine Leica M geschraubt wird, ist schon mehr als heavy. Von „kopflastig“ zu sprechen, wäre die Untertreibung des Jahrehunderts. Die Kombination Leica M Monochrom und Noctilux 75 besteht gefühlt nur aus Kopf. Wahnsinn! An der SL dagegen passt „der Gerät“ wie Arsch auf Eimer – mit dem kleinen „M-auf-L“-Adapter auf die SL montiert hat man eine perfekte Kombination in der Hand – schwer aber ausgewogen. Das soll im Übrigen keinen davon abhalten, das Noctilux auch und gerade an der Leica M Monochrom einzusetzen – meine Meinung: für das perfekte Bildergebnis muss man im Zweifelsfall auch mal eine Sehnenscheidenentzündung in Kauf nehmen …Paula - Leica Noctilux M 75mm 1.25

Noch ein paar technische Details – sortiert von unwichtig zu wichtig:

In dem Objektiv sind neun Linsen in sechs Gruppen verbaut – davon zwei asphärische Linsen. Ich habe das jetzt nicht nachgezählt – in dem Punkt vertraue ich einfach mal dem Leica-Datenblatt und offen gestanden hätte ich bei dem Gewicht gedacht, dass es noch ein paar mehr Linsen sind.

Schon wichtiger (für mich): der Mindestaufnahmeabstand des Objektivs beträgt schlanke 85cm, was für ein M-Objektiv erstaunlich gering ist. Zum Vergleich: das Noctilux-M 0,95/50mm hat einen Mindestaufnahmeabstand von 100cm. Erreicht wird die deutliche Verbesserung bei dem 75mm 1.25 Noctilux angabegemäß durch ein so genanntes Floating Element – steht im Datenblatt. Glaube ich einfach mal so. Was ich aber tatsächlich sehe: es funktioniert! Die Abbildungsqualität ist auch und gerade im Nahbereich einfach nur großartig! Dass man bei Offenblende und 85cm Aufnahmeabstand quasi gar keine Schärfentiefe mehr hat, ist geschenkt. Sieht trotzdem geil aus!Amy Lee - Leica Noctilux M 75mm 1.25

Wenn wir über hochlichtstarke Objektive reden, müssen wir zwangsläufig über Bokeh sprechen. Nicht zu verwechseln mit Bouquet – das ist wenn der Wein lecker riecht. Wenn bei Offenblende und anfokussiertem Vordergrund der Hintergrund schön in Unschärfe verschwindet, nennt man das Bokeh (und die technisch sehr viel schlaueren Menschen gruseln sich jetzt gerade vor so viel Simplifizierung in meinen Erläuterungen, aber ich denke, es ist klar, was ich meine, ne?). Je schöner die Unschärfe, desto schöner das Bokeh. Je lichtstärker das Objektiv, desto unschärfer ist die Unschärfe (und desto weniger muss man sich mit so profanen Dingen wie Bildaufbau und Hintergrundgestaltung kümmern – ist ja eh alles unscharf). Die Güte des Bokehs eines Objektivs wird im Wesentlichen von der Anzahl der Blendenlamellen – 8 ist Durchschnitt und mit 9 Lamellen wird das Bokeh schon sichtbar besser. Das Noctilux-M 1:1,25/75mm asph. kommt auch in diesem Punkt ziemlich breitbeinig daher und hat sogar 11 (!) Blendenlamellen! Und was soll ich sagen? Man sieht’s (aber dazu später mehr)!Amy Lee - Leica Noctilux M 75mm 1.25Paula - Leica Noctilux M 75mm 1.25

Wie aber arbeitete es sich denn nun mit diesem Objektiv?

Wie fühlt es sich an? Ich glaube, meine Tochter würde beide Fragen mit einem schlichten „voll porno“ beantworten. Und ich würde ihr Recht geben. Das ist schon ein beinahe sinnliches Vergnügen, mit dem Noctilux zu fokussieren (genau so wie mit seinem „kleinen Bruder“). Seidenweich mit dem genau richtigen Widerstand – nicht zu wenig und nicht zu viel. Und die Blenden rasten sanft aber bestimmt ein – genau so wie es sein soll – und wie man es

für ein Objektiv, dass beinahe Fantastilliarden kostet, auch erwarten darf. Made in Germany halt. Handgefertigt. Woraus sich schon im Wesentlichen der nahezu obszöne Verkaufspreis ergibt. Der andere Grund für die Preisgestaltung dürfte Leica-typisch ausfallen: weil sie es können (und Chinesen und Amerikaner sowieso alles kaufen, wo Leica draufsteht).

Janna - Leica Noctilux M 75mm 1.25

Und auch wenn ich jetzt schon so viel geschrieben habe – das einzig Relevante bei der Beurteilung eines solchen Objektivs kann/darf/sollte nur eines sein: die Abbildungsqualität! Und nicht nur das – eine gute Abbildungsqualität haben mittlerweile sehr viele (sehr viel günstigere) Objektive. „Wenn das Ding nicht irgendetwas ganz Besonderes macht, ist es sein Geld nicht wert. Basta!“ – so war meine Grundeinstellung bevor ich mit dem Noctilux die ersten Fotos machte. Und ich ging sogar noch einen Schritt weiter: ich wollte das Objektiv nicht gut finden. Weil von wegen Preis und so. Also habe ich parallel mit anderen Kameras und anderen Objektiven an der Leica fotografiert.

Paula Akt - Leica Noctilux M 75mm 1.25

Keine Ziegelmauern, kein Millimeterpapier. Sondern Menschen.

Weil das meine Kernkompetenz ist. Und weil technische Angaben wie Auflösung von x Linien etc. den Weg für das Besondere verstellen können. Ich erinnere mich an mein erstes Noctilux: das Noctilux-M 50mm 1.0 – den Vorgänger des aktuellen 0,95er. Das hatte in den Testergebnisse einschlägiger Fachzeitschriften eine MTF-Kurve, die nur knapp besser war als ein Flaschenboden. Die Bilder, die man mit dem Ding machen konnte, hatten aber vor allem eines: Charme! Ich verstehe jeden, der beim Lesen dieser Zeilen kopfschüttelnd vor dem Rechner sitzt, aber ich hatte Sie/Euch gewarnt: das hier ist ein etwas „anderer“ Erfahrungsbericht … ;) Tja, und was soll ich nach zwei Wochen intensivsten Testens (u.a. eine Woche aus Island) sagen? Kennt Ihr diesen einen Song von Deichkind? Genau DEN … „LEIDER GEIL“! Ich wollte spontan in den Garten gehen und meine bisherigen Objektive verbrennen … Anfangs dachte ich noch, dass ich natürlich gegen eine gewisse Einbildung nicht immun bin – dafür fotografiere ich schon zu lange mit Leica und bei der Hassliebe zu Leica überwiegt halt eindeutig die Liebe. Aber ich habe ein paar Bilder auch der besten Ehefrau von Allen gezeigt – der unbestechlichsten Person, die ich kenne und die als Wassermanngeborene der perfekte Gegenpol zu meinem Fische-Sternzeichen ist. A/B-Vergleiche und das Ergebnis war immer das Gleiche. Die Ergebnisse mit dem Noctilux haben etwas, das man ganz schwer beschreiben kann – sie sind nicht schärfer oder kontrastreicher oder was man sonst noch für technische Parameter anführen kann. Für mich sehen sie „analoger“ aus und ich weiss nicht so recht, woran das liegt. Wahrscheinlich an dem Übergang von scharfen zu unscharfen Elementen in einem Bild – etwas, das wahrscheinlich kein anderer Objektivhersteller so gut in den Griff bekommt wie Leica. Wie gesagt: ich weiss es nicht. Aber es haut mich um. Das hatte ich tatsächlich so nicht erwartet. Respekt, Leica! Obwohl ich längst nicht alles prickelnd finde, aber hier habt Ihr Euch (mal wieder) selbst übertroffen! Abschließend: mein Dank geht an Alexander Görlitz für diese Gelegenheit. Aber BITTE sprich mich nie wieder mit so etwas an! ;)

Die nachfolgenden Bilder wurden alle mit der Leica SL und dem Noctilux-M 1,25/75 asph. bei Offenblende f/1,25 fotografiert.

Amy Lee - Leica Noctilux M 75mm 1.25

 

Das Leica Noctilux 75mm f/1.25 ASPH – eine neue Affäre? – von Jan Hartmann

Eigentlich hatte das Jahr 2018 relativ ruhig begonnen. Ich startete die Saison mit den ersten Hochzeitsreportagen und setzte meine Arbeit an einem Dokumentationsprojekt fort. Doch aus der „Ruhe“ wurde nichts, denn Alexander Görlitz, Inhaber von FOTO-GÖRLITZ, kam mit einem neuen „Geschoss“ von der Firma Leica um die Ecke – dem Leica M Noctilux 75mm f/1.25 ASPH und bat mich, nach einem intensivem „Test“ ein paar Worte darüber zu verlieren, ob man mit dem bulligen Glaszylinder aus Wetzlar etwas Besonderes anstellen kann, der mit bescheidenen 11.900€ Listenpreis zu Buche schlägt.

Leica M Noctilux 75mm 1.25 asph.

Meine erste wirkliche Liebesgeschichte war das Leica Noctilux 50mm f/0.95, dass ich seit dem Kauf bei FOTO-GÖRLITZ vor 3 Jahren intensiv bei Hochzeitsreportagen und Portraitarbeiten einsetze. Dieses 50mm Noctilux besitzt tatsächlich Charakter und „Seele“ und verleiht jedem Bild bei gekonntem Einsatz eine künstlerische Note. Meine Leidenschaft gilt der Schwarz-Weiss-Fotografie, weil sie mir den Raum gibt, die Persönlichkeit und Einzigartigkeit eines Menschen in einer zeitlosen Form herauszuarbeiten. Die Leica Monochrom in Verbindung mit dem 50er Noctilux ist dafür die perfekte Traumkombination, die mein Herz schneller schlagen lässt. Damit liegt die Messlatte enorm hoch und es gilt herauszufinden, ob ich neben dieser intensiven Liebesbeziehung für eine neue Affäre bereit bin?

Leica M Noctilux 75mm 1.25 asph.

Ich lese selbst kaum Testberichte und finde keinen Gefallen an nackten physikalischen Werten. Ich habe auch noch nie erlebt, dass man bei einem weltbekannten Bild, darüber spricht, mit welchem Objektiv es gemacht wurde. Bei Picassos Werken wird auch nicht debattiert, mit welchem Pinsel welches Herstellers das Bild gemalt wurde. Darum muss ich alle enttäuschen, die hier einen Testbericht im klassischen Sinne erwarten. Ich weiß auch überhaupt nicht, womit man anfängt oder aufhört. Es gibt keine Systematik. Ich kann nur meine Gedanken und Empfindungen aneinanderreihen, die mir während der ehrenvollen Testrunde durch den Kopf gegangen sind.

Leica M Noctilux 75mm 1.25 asph.

Der augenscheinlichste Grundgedanke eines bodenständigen Menschen ist, wodurch ein Objektiv dieser exorbitanten Preiskategorie, seinen Anschaffungswert auch nur annähernd rechtfertigt? Doch diesen Gedankengang hab ich schnell abgelegt. Die Leica M und große Optiken sind für die meisten zwei Dinge, die nicht zusammenpassen. Doch da ich schon mit dem 50er Noctilux hervorragend zurecht kam, war ich zuversichtlich, dass dies auch mit dem 75mm 1.25 so sein wird. Nachdem ich es an meine Leica M10 geschraubt habe und die Kombination in den Händen hielt, machte sich in mir ein Glücksgefühl breit. Diese Paarung fühlt sich an, als wäre sie aus einem Stück Metall gegossen worden. Man bekommt sofort Lust, damit zu arbeiten.

Leica M Noctilux 75mm 1.25 asph.

Beim ersten Shooting konzentrierte ich mich zunächst aufs Handling und gab mir größte Mühe mit dem Messsucher der M10 den Fokus richtig zu setzen. Die Mechanik arbeitet beim Fokussieren wie Balsam, der weich über die Hände fließt. Mit der Zeit automatisiert sich dieser Vorgang und man kann sich voll aufs Fotografieren konzentrieren. Im Sucher ist natürlich ein Teil des Blickfeldes durch den massiven Tubus des Objektives verdeckt, hatte aber in meinem Fall keine Nachteile, da ich sowieso in einer eher smoothen Geschwindigkeit mit den Models arbeite. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich einen elektronischen Sucher zum Fokussieren brauche, obwohl ich anfangs skeptisch war. Wenn der Messsucher korrekt kalibriert ist und man eine Vergrößerungslupe anbringt, besteht kein Grund zur Sorge – aus meiner Sicht.

Die restlichen Shootings liefen wunderbar und ich ging mit einem guten Gefühl nach Hause. Nun sitze ich vor diesem Berg an Aufnahmen und suche nach etwas Speziellem im Look der Bilder – einer unverwechselbaren Signatur. Erstaunlicherweise hatte ich eine hohe Trefferquote und das mit einer Leica M ohne Sucherlupe. Dies ist ein eindeutiges Zeichen, das man sich sehr viele Gedanken darüber gemacht hat, dass das Objektiv optimal auf die Benutzung mit einer M abgestimmt wurde.

 

Leica M Noctilux 75mm 1.25 asph.

Nach einigen Tagen Abstand und mit einem „frischen“ Auge setzte ich mich erneut an die Aufnahmen. Ohne jeden Zweifel bin ich der Meinung, dass dieses Objektiv den Bildern eine besondere Ästhetik zukommen lässt. Charakteristisch ist dabei der Übergang von Schärfe zu Unschärfe und der magische Touch, den auch das 50er Noctilux liefert. Es wirkt wie die Interpretation eines Zeichners, der die Wahrnehmung der realen Welt in seiner ganz eigenen visuellen Sprache zu Papier bringt. Auch das Bokeh mutet an, wie die Pinselstriche eines Malers.

Leica M Noctilux 75mm 1.25 asph.

Bei den Bildern, die mit der Leica Monochrom CCD entstanden sind, entsteht eine reichhaltige Emulsion an Grautönen, die im Ergebnis zu einem edlen und einzigartigen Bildlook führen. Insgesamt kann man dem Leica M Noctilux 75mm f/1.25 ASPH einen eigenen Charakter mit Wiedererkennungswert attestieren, der sich vom 50er Noctilux unterscheidet und Ins Besondere die freigestellten Motive haben eine akzentuierte dreidimensionale Wirkung. Was ich außerdem festgestellt habe, dass man beim Leica M Noctilux 75mm f/1.25 ASPH viele optische Fehler korrigiert hat, was jedoch nicht zwangsläufig sterile Resultate zur Folge hat. Der einzige negative Aspekt könnte in manchen Fällen das relativ hohe Gewicht sein. Daher sind längere Anwendungszeiten eher schwierig, weil die Arme beziehungsweise der Hals immer „länger“ werden.

Leica M Noctilux 75mm 1.25 asph.

Insgesamt hat mich das Leica M Noctilux 75mm f/1.25 ASPH überzeugt und ich bin sehr dankbar, dass mir Alexander Görlitz ermöglicht hat, dass Objektiv ausgiebig zu testen. Aus meiner Sicht ist es die perfekte Linse für den ambitionierten Portraitfotograf, der ein Werkzeug sucht, dass seine Visionen auf ganz besondere Weise in Bilder mit dem gewissen Etwas verwandeln. Man muss sich natürlich immer wieder klar machen, dass ein solches Objektiv allein, die Genialität und die künstlerische Schaffenskraft eines Fotografen, niemals ersetzen kann. Aber es kann durchaus ein entscheidender Faktor sein, der die Leidenschaft und die Motivation eines Künstlers entfesseln und damit den kreativen Prozess positiv beeinflussen.

Leica M Noctilux 75mm 1.25 asph.

Leica M Noctilux 75mm 1.25 asph.

Doch natürlich wird ein potenzieller Käufer dieser Optik mit der Realität konfrontiert und muss sich fragen, ob er gegebenenfalls seinen Mittelklasse-Wagen in Zahlung gibt, um das Leica-Glas zu refinanzieren. Es sollte auf jeden Fall als Langzeit-Investition gesehen werden, um seine Anschaffung zu rechtfertigen. In den richtigen Händen kann dieses Glas durchaus den Stil eines Künstlers prägen. Wenn ich die finanziellen Möglichkeiten hätte, würde ich mir das Leica M Noctilux 75mm f/1.25 ASPH sofort kaufen und für meine Portraitarbeiten häufig verwenden. Doch das Leica Noctilux 50mm f/0.95 ist universeller und kann besser bei Reportagen als auch Portraitfotografie eingesetzt werden.

Leica M Noctilux 75mm 1.25 asph.

 

 

 

 

 

 

 

Leica M Noctilux 75mm 1.25 asph.

Über die Sinnhaftigkeit und die Realitätsnähe des Preises zu debattieren, ist wenig zielführend. Man muss sich vor Augen halten, dass dies ein handgefertigtes und von Spezialisten entwickeltes deutsches Qualitätsprodukt ist, in welches die Firma Leica sein ganzes KnowHow hat einfließen lassen. Dennoch liegt das Noctilux preislich teilweise deutlich über dem Durchschnitt des Sortiments an Objektiven. Diese Optik ist einerseits ein Statement, was derzeit technisch möglich ist, andererseits kann es durchaus ein ernstzunehmendes und äußerst spezialisiertes Arbeitsgerät sein. Ich hoffe, dass ich irgendwann noch einmal die Möglichkeit haben werde, mit der Optik zu arbeiten.

3 Kommentare
  1. Eckart Friz sagte:

    Wie sagt deine Tochter so richtig? V.P.
    Du kannst es eben auch.
    Ich bin ehrlich gesagt erstaunt, wie scharf bzw. und wieviel doch scharf ist im Nahbereich bei besagter Offenblende.
    Meinen tue ich dabei da speziell das zweite Bild von oben, war das wirklich bei Blende 1,25?
    Oder ist das ein Ausschnitt?

  2. dierk sagte:

    Hallo Andreas,
    ich habe mich selten oder besser noch nie bei einem „Bericht“ über Foto Hardware so köstlich amüsiert, vielen dank!
    LG dierk

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