Unterwegs mit der Leica S007

Erfahrungsbericht – Test – Review

von Elmar Egner

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Die Leica S007 gehört in die Kamerakategorie, Digitales Mittelformat. Dieses Segment fixt mich schon ne ganze Weile an. Insbesondere die Angebote, die Hasselblad da mit den 44x33mm Sensoren macht, gefallen mir gut. Die Fujis lassen mich trotz der tollen Leistung, die sie zweifelsohne bieten, eher kalt. 

Und dann gibt es da noch die Leica S Reihe (ja, es gibt noch mehr, aber irgendwie muss man den Bogen ja schlagen). Die Leica S3 kommt nun endlich auf den Markt und in Vorbereitung dessen habe ich mich dank der Unterstützung von FOTO-GÖRLITZ mal dem S-System widmen können. 

Ich hatte jetzt für ein paar Wochen langersehnt die Leica S 007 in den Händen. Kombiniert mit 4 Objektiven. 35mm, 70mm, 120mm und 180mm – Also von Weitwinkel über Normalobjektiv und leichtem (Makro-)Tele bis hin zum echten/gemäßigten Teleobjektiv war also eine große Bandbreite dabei. Ein Zoom habe ich nicht probiert – mir geht es immer gut mit Festbrennweiten.

Handling der Leica S007

Die Leica S Reihe zählt tatsächlich in die Region des „transportablen“ Mittelformats. Ok… Schau ich mir PhaseOne Boliden an oder die älteren analogen Angebote, ist eine Leica S007 schon kompakter, aber weder ist sie klein noch leicht. Als DSLR ist sie schon ein echter Brocken. Ich muss aber sagen, dass aufgrund sehr guten Designs die Kamera zwar an der Schulter zieht, wenn man sie umgehängt hat, der Griff aber beim Arbeiten für das Gewicht super entschädigt. Der Body balanciert mit allen oben genannten Objektiven richtig gut.

Der Sucher ist groß und klar. Man kann die Mattscheiben sogar austauschen, was ich allerdings nicht gemacht habe, so dass ich einfach mit der Standardscheibe unterwegs war, die das bewährte Fokuskreuz in der Mitte anbietet. Dank des klaren Blicks durch den Sucher war auch manuelles Fokussieren für DSLR-Verhältnisse recht einfach. Und ich muss sagen, dass ich öfter manuell fokussiert habe als gedacht.

Als DSLR ist die Leica S007 wirklich super durchdacht. Sie brachte uns das reduzierte Design, bei dem nur noch der EIN/AUS Schalter beschriftet ist. Alle anderen Tasten (und viele sind das nicht) kann man sich recht frei mit Funktionen belegen, so dass jede Leica S007 eine individuelle Kamera wird. Dieses Konzept hat Leica ja später bei der S Light (also Leica SL) weiter verwendet und perfektioniert. Wenn man sich die Tasten erstmal belegt hat, ist das Handling sehr schnell gelernt und intuitiv.

Den tollen Griff habe ich schon erwähnt, insgesamt muss ich die Materialien wirklich positiv herausstellen. Alles fühlt sich sehr sehr wertig und nach „Werkzeug“ an. Im besten Sinne ist das gemeint. Man hat hier ein leistungsfähiges Arbeitsgerät in der Hand. Und spätestens wenn man den großen Spiegel gut gedämpft schlagen hört, ist man sich der Sache sicher. Das ist alles toll und positiv, gleichzeitig vermittelt diese Kamera aber auch das Gefühl, dass man sie jetzt nicht auf die Freizeit mitnimmt.

Performance

Die Abbildungsleistung ist hoch. Ich muss sagen, dass mich an der Stelle das 120mm Summarit am meisten überzeugt hat, ohne dass die anderen in technischen Werten hinterher hinken würden. Es ist in etwa so, wie ich es bei den Objektiven zu SL schon bemerkt habe: Die Objektive sind groß und schwer, zum einen, weil sie einen großen Bildkreis ausleuchten, und zum anderen, weil sie sehr gut optisch korrigiert sind. Dieser „Charakter“ den man manchmal bei Offenblende bei anderen Objektiven hat, tritt schon zutage, allerdings längst nicht in dem Maße, wie anderswo.

Scharf sind sie alle, super Übergang ins Bokeh ist auch da. Genau, wie man sich das vorstellt. Man hat auch mit f2.5 genügend Licht auf dem Sensor, finde ich. Aufgrund der längeren Brennweite bei gleichem Bildwinkel im Verhältnis zum Kleinbildformat blende ich ohnehin etwas mehr ab für die gleiche Schärfentiefe. Oooooder natürlich man nutzt die höhere Freistellung gegenüber dem Kleinbildformat. Auch wenn das noch kein 645 Mittelformat ist, sieht man ein bisschen Unterschied zum Kleinbild. Es ist etwas mehr Tiefe in den Bildern, meine ich. Also im Sinne einer plastischen Bildwirkung.

Der 37MP Sensor

Der Sensor der Leica S007 kann noch ganz gut mithalten finde ich. Es ist ja kein CCD mehr, sondern „bereits“ ein CMOS Sensor. Das heißt, dass man auch etwas mehr ISO vertragen kann. Ich würde die Leistung, insbesondere wenn man es „isolos“ angeht, vergleichbar mit Kleinbild von 2015 einschätzen. Das ist keine schlechte Performance, wie ich finde. Allerdings ist der „Vorteil der höheren Auflösung bei Mittelformat“ kaum noch spürbar. Die 37Mp der Leica S007 sind von einigen Kameras längst überholt. Macht aber nix, denn da kommen ja noch andere Faktoren ins Spiel- pixel pitch beispielsweise. Der Abstand zwischen den Pixeln ist auch etwas, dass zu einem gewissen Look führt und auch eine Belastbarkeit der Rohdaten mit sich bringt. Als Beispiel mag ich die Nikon Df. Mit ihren 16Mp auf Kleinbildformat ist sie kein Auflösungswunder. Jedoch sind die Rohdaten sehr dehnbar, der Sensor bekommt einfach viel Licht pro Pixel. Der gesamte Look ist nicht so extrem scharf wie die 47Mp einer Nikon Z7 beispielsweise, aber dennoch sehr gefällig. Sanft. Fast so wie Mittelformat… Und da wären wir wieder. Die Leica S007 hat eben keine 50Mp oder 100Mp auf der Fläche. Das macht die Bilder sehr harmonisch, wie ich finde. Eine echt tolle Balance aus Auflösung und Leistung in Sachen ISO und dergleichen.

Das Leica S 35mm f2.5 Summarit

Ein geniales Weitwinkel, das bei Kleinbildformat ein 28mm ergeben würde. Sehr sauber korrigiert, wie ich finde. Man kann auch gut damit freistellen bzw etwas mit dem Bokeh spielen. Würde ich mir ein Set zusammenstellen, wäre das 35mm auch dabei. Es ist recht groß, aber das fällt an der S007 nicht wirklich auf. 😉

Das Leica S 70mm f2.5 Summarit

DAS Standardobjektiv für die Leica S, wie ich finde. Ein prima Normalobjektiv, das hinlänglich schnell zu fokussieren ist. Perfekte Balance an der S007 – ein Top Performer. Cremig im Bokeh, scharf auf den Punkt. Bei Offenblende ist mit etwas angenehmer Vignettierung zu rechnen.

Das Leica S-APP-MACRO 120mm f2.5 Summarit

Aus dem vorhandenen Set mein Favorit. Dank Makro-Funktion auch für gute Close-Ups nutzbar. Ich habe es allerdings tatsächlich am meisten bei meinem aktuellen Architekturprojekt eingesetzt. Was sonst rund 85mm bei Kleinbild entspricht, kommt bei gleichem Bildwinkel mit 120mm wirklich nochmal anders rüber. Bauwerke stehen nochmal ganz anders da. Das gefällt mir richtig gut.

Das Leica S-APO 180mm f3.5

Ein perfektes Arbeitstier.  Ich bin nicht so der „Teletyp“. Normalerweise. Aber dieses Objektiv macht schon richtig Laune. Wer gern Portraits mit Freistellung macht, ist hier sehr gut aufgehoben. Bei Offenblende hat es auch etwas Vignettierung, aber das addiert sich eher positiv ins Bild.

Der Autofokus

Eine Sache möchte ich gesondert ansprechen  – das Thema Fokussieren mit der Leica S007. Tatsächlich ist der Autofokus etwas gewöhnungsbedürftig. Nicht schlecht, aber klar eingeschränkt. Die Leica S 007 verfügt leider nur über ein zentrales Fokusfeld in der Mitte des „Zielkreuzes“. Also immer focus-recompose. Das ist für Leicaianer ja gewohntes Spiel 😉, aber nervt bei Mittelformat dann doch manchmal, wenn man mit dem 120er unter drei Meter verschwenken muss… Da ist das gewünschte nun wirklich nicht mehr scharf. Also habe ich oft manuell fokussiert. Das wiederum geht, wie oben erwähnt, mit dem Sucher richtig gut. Allerdings gibt es auch hier ein Aber: Ein Override des Autofokus ist jederzeit möglich. Dann hat man es scharf gestellt und die Kamera fokussiert beim Auslösen erneut. Also wirklich im Zweifelsfall unbedingt auf MF umstellen. Ich habe mir die Fokusmodi direkt auf eine Taste gelegt, weil mir das etwas missfiel.

Wenn die Kamera dann fokussiert, tut sie das sehr genau. Das hört man auch schön und manchmal muss man der Kamera auch etwas Zeit lassen, wenn sie sich an den richtigen Punkt herantastet. Und dann BÄM! sitzt der Fokus auch perfekt. Also wann immer es möglich ist, nehmt euch ruhig ne S007 als Werkzeug!

Fazit

Nicht einfach zusammen zu fassen. Die ersten Tage musste ich mich an die Kamera wirklich gewöhnen. Weniger ans Handling, vielmehr an das, was sie liefert. Die Rohdaten musste ich kennenlernen um sie gut bearbeiten zu können. Insbesondere das Schärfen war langsam zu ertasten.

Genial wird es allerdings, wenn man sie kennt und dann als Werkzeug der Wahl nutzt. Tatsächlich vermittelt diese Kamera einfach das Gefühl, dass du dich auf sie verlassen kannst. Sie liefert richtig gut ab. Richtig Spaß machen die Langzeitbelichtungen. Da sind auch lange Zeiten von der Kamera errechnet drin. Bspw 126 Sekunden. Das hatte ich bei meinen ersten Gehversuchen mit einer Leica SL schon bemerkt. Das ist etwas, das ich sehr mag. Auch wenn man die Rauschreduzierung (die dann ebenso lange dauert) leider nicht deaktivieren kann. Dafür hat man dann aber schöne klare Nachtaufnahmen oder dergleichen. Leica liefert auch eigens einen Stöpsel für das Okular mit, damit kein Streulicht von oben auf den Sensor fällt bei Stativarbeit. So kann das sein. Bei meiner Nikon F3 HP gab es da noch ein Hebelchen für einen Verschluss.

Ich mag sie die Leica S007 – als Werkzeug, als Kamera, die abliefert. Als Spaßgeräte nehme ich lieber kleinere Kameras.