Leica SL 50mm 1.4 asph. Summilux 11180

Erfahrungsbericht – Test – Review

von Elmar Egner

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Einleitende Worte

Im Rahmen einer stärkeren Auseinandersetzung mit dem L-Mount System von Leica (genauer gesagt der Leica SL) kommt man nicht umhin, die interessante Objektivpalette dieses Systems unter die Lupe zu nehmen. Eines der wirklich spannenden Objektive (und im Grunde sind sie das alle), ist das Leica SL 50mm 1.4 asph. Summilux. Vor längerem hatte ich mal die Gelegenheit eine Leica SL für zwei Wochen zu testen und „damals“ war „nur“ das SL 24-90mm 2.8-4 Zoom dabei gewesen. Die Kamera hatte mich damals schon sehr beeindruckt. Dieses Mal kann ich mir etwas mehr Zeit lassen und mehrere Objektive ausprobieren. Am meisten war ich auf das SL 50mm 1.4 Summilux gespannt und so will ich ein paar Eindrücke schildern.

Handling

Im Moment des Auspackens und Aufdiekameramontierens merkt man gleich, dass man hier kein Spielzeug in der Hand hat (ok… eigentlich schon). Das ganze System will ernstgenommen werden. Baugröße und Gewicht, Haptik und Layout – all das zeigt „Werkzeug zum Arbeiten“. Und das fühlt sich gut an! Das SL 50mm 1.4 asph. Summilux ist kein leichtes Objektiv (1065g). Wenn man es mit der M-Mount Version (335g) vergleicht, welches manchen an ihrer M schon zu schwer ist, liegen da immer noch Welten dazwischen. Das SL 50mm 1.4 asph. Summilux ist eher mit einem Zeiss OTUS 55mm 1.4 zu vergleichen oder einer anderen lichtstarken DSLR-Festbrennweite. Warum? Weil es so groß und relativ schwer ist. Weil es offenbar hinsichtlich der optischen Leistung konstruiert wurde und nicht auf klein/leicht getrimmt wurde. Allerdings muss ich sagen, dass es an der SL (und auch einer Panasonic S1R) sehr gut ausbalanciert ist. Der Balancepunkt liegt so ziemlich genau einen kleinen Fingerbreit vor dem Bajonett. Damit hat man im Handling über lange Zeit noch viel Kraftreserven, da es um einen guten Punkt herum rotiert sozusagen. Es ist geradeso noch nicht so groß, dass es Menschen abschreckt, die man fotografieren möchte. Glück gehabt. 😉 Einen Blendenring hat es nicht – das wird per Daumenrad an der Kamera verstellt. Der Fokusring ist gummiert und leicht blind zu finden. Der Rest des Objektivgehäuses ist glatt. Ich habe zumeist den Balancepunkt des Systems auf den Zeigefinger der linken Hand abgelegt, was die Komposition und das Warten auf den rechten Moment sehr einfach gestaltete. Manueller Fokus funktioniert butterweich, obgleich es focus-by-wire ist. Man kann je nach Geschwindigkeit des Drehens sehr langsam und präzise einstellen oder aber schnell große Sprünge machen.

Bildqualität

Fantastisch! Hmm. Was schreibe ich jetzt noch dazu? Im Ernst: Die Qualität hinsichtlich Schärfe, Kontrasten, Farbwiedergabe, Bokehverlauf und damit Freistellung ist sehr hoch. Als jemand, der das ZEISS OTUS 55mm 1.4 für fast zwei Jahre genutzt hat, wage ich ein paar Vergleiche. Letztlich spielen beide Objektive in der Preiskategorie über 3000€ und sind in ihren Leistungswerten sehr ähnlich. Beide sind auf den Punkt scharf, beide stellen sehr sauber frei. Insbesondere, wenn man auch den Vordergrund „unscharf“ mit einbezieht, ergibt sich der Effekt der Plastizität. Beim Zeiss OTUS kommt gegenüber dem SL 50mm 1.4 asph. Summilux allerdings ein leicht künstlerischer Charakter hinzu. Manches im Bokeh wirkt wie gemalt. Das ist beim SL 50mm 1.4 asph. anders, hier bleibt alles klar bzw. eben unscharf-weich. Weder das eine noch das andere kann ich wirklich bevorzugen – das ist persönlicher Geschmack. Beide Objektive liefern im Schärfebereich einen erstaunlich hohen Mikrokontrast und damit einen starken pixelgenauen Schärfeeindruck. Kombiniert mit dem fantastischen Sucher der Leica SL fiele mir eine Kaufentscheidung zwischen den beiden Objektiven echt schwer. (Wer Autofokus mag, braucht natürlich nicht überlegen. 😉  )

Ein Punkt, den ich gern betrachte, ist, wie Objektive mit Lichtern bzw hellen Bereichen im Bokeh umgehen. Damit meine ich jetzt nicht „Bokeh bubbles“, sondern Lichtschein. Glüht das ein bisschen? Scheint es? Ist es hart umrissen und fängt dadurch an zu stören? Solcherlei. Das SL 50mm 1.4 asph. Summilux gehört für mich in die „Lichtfänger“-Kategorie. Soll heißen, das Licht im Bokeh entwickelt einen Schein, aber noch keinen „classic glow“. Hart umrissen ist es nicht, was mir gut gefällt – zu schnell werden sonst helle Stellen einfach zu „Flächen“ im Bild. Hier bewahrt man sich die natürliche Bildwirkung.

Und nun?

Insgesamt kommt das SL 50mm f1.4 asph. Summilux auch nach dem Test rüber wie ein Werkzeug für die professionelle Fotografie. Bildqualität stimmt, Verarbeitung auch. Das Handling ist super. Der Charakter ist eher auf der neutralen Seite, was hier jetzt mal sehr positiv gemeint ist. Die Bilder kommen sofort plastisch-fantastisch daher und lassen viel Raum zur Bearbeitung. Für den Reisenden, der nicht viel tragen möchte, wäre womöglich eine andere Variante sinnvoller, vielleicht ein Summilux-M an der SL oder das SL 50mm 2.0 APO was im Jahr 2019 erscheinen soll.

Für mich persönlich, denn ich mag es, den Bildwinkel von 50mm an Kleinbildformat einzusetzen, ist die Leica SL mit dem SL 50mm 1.4 asph. Summilux eine perfekte Kombination. Ähnlich empfand ich auch die Canon EOS R mit dem RF 50mm f1.2 Objektiv. Die Haptik beider Systeme ist allerdings grundverschieden. Schaut auch mal in das Review dort.

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Gebraucht aber neuwertig hat Alexander fast immer eines da, schaut hier vorbei.