Leica TL 23mm 2.0 asph. Summicron 11081

Erfahrungsbericht – Test – Review

von Elmar Egner

elmar-egner

Das Leica TL 23mm 2.0 Summicron für Leica den L-Mount auf einer Leica T.

Ende letzten Jahres habe ich mir eine Leica T gegönnt. Man findet schon recht günstig gebrauchte Modelle – insbesondere die erste Version (nur „T“). Eine solche T wurde es dann auch mit etwas Zubehör, Adapter für Fremdobjektive und dergleichen. Und gerade durch die Fremdobjektive wurde diese Kamera überhaupt nutzbar für mich. Denn während die Leica T gebraucht sehr günstig ist, behalten die dazu gehörigen Objektive doch recht gut ihren Wert.

Dank einer Leihgabe von FOTO-GÖRLITZ konnte ich nach über einem halben Jahr mit der Leica T endlich mal ein original TL-Objektiv (heute nur noch L-Mount) für das APSC- Format ausprobieren: dasLeica TL  23mm 2.0 Summicron. Ich freu mich, dass das geklappt hat, denn so konnte ich meine Leica T noch einmal ganz neu kennenlernen.

Haptik und Verarbeitung

Das Leica TL 23mm 2.0 Summicron kommt sehr gut verarbeitet daher. Ich hatte ein gebrauchtes Exemplar. Es ist neuwertig und daher konnte ich quasi gleich sehen, wie gut sich beispielsweise Farbbeschichtungen erhalten oder ob der Fokusring irgendwann mal Spiel entwickelt. Hier bin ich ganz positiv überrascht. Da wackelt und spielt gar nichts. Das Objektiv rastet sauber und perfekt ein. Wetterfestigkeit würde ich da nicht unbedingt unterstellen – am Bajonett ist keine Dichtung zu sehen. Macht aber nichts. Die Passgenauigkeit ist hervorragend und tauchen werde ich damit nicht. Die Farbbeschichtung wirkt recht haltbar und wird sicher mit der Zeit in Richtung „Patina“ abwandern.

Das Objektiv ist angenehm leicht und nicht zu groß. Die Leica T ist damit prima ausbalanciert. Wenn man dann noch die optionale Gegenlichtblende aufsetzt, wirkt das Objektiv doppelt so groß, gewinnt ja aber kaum an Gewicht. Es ist ein echtes Immerdrauf. Dank APSC-Sensor kommt man ja auf einen Bildwinkel, den man so von der klassischen Reportagebrennweite von 35mm an Kleinbildformat kennt. Da die Kombination aus Kamera und Objektiv weder auffällig noch zu schwer ist, würde ich eine Handschlaufe empfehlen und dann die Kamera stetig schussbereit haben.

leica-tl-23mm-2.0-Summicron

Handling

Jetzt wird es spannend. Eine Schnellschusskanone ist es nicht gerade. Das liegt aber hauptsächlich an der Kamera. Prinzipiell funktioniert das Leica TL 23mm 2.0 Summicron recht leise und fix. Man kann es mit der X100 Serie von Fuji vergleichen. Die T liegt etwa auf X100s Niveau. Mit einer aktuellen Leica CL kann man da sicher mehr rausholen, mit der T fand ich die Performance eher etwas lahm. Allerdings muss ich auch sagen, dass ich vorher fast ausschließlich mit adaptierten Objektiven mit M-Anschluss auf der Leica T gespielt habe. Da ich einen sehr guten Adapter besitze, funktionieren sogar die per Skala auf den Objektiven angegebenen Zonen prima. Ich hatte dadurch im Fokussieren nie Probleme; dafür mit der Belichtungsmessung, aber das ist Thema „T“. Ich hatte gedacht, dass ich durch ein originäres T-Objektiv zumindest ein paar dieser Probleme würde lösen können. Tatsächlich! Dafür kamen allerdings neue.

Das Zusammenspiel zwischen Kamera und Objektiv funktioniert perfekt. Die Kamera hält sich endlich mal an die vorgegebenen Auto-ISO-Einstellungen (das kann sie nämlich mit adaptierem Glas nicht). Der Fokus allerdings pumpt. Bei schlechtem Licht sowieso – das ist dem Kontrast-Autofokus geschuldet, da kann das Objektiv nichts dafür. Bei gutem Licht greift der Fokus präzise, aber halt recht langsam. Was mir auffällt: Das Leica TL 23mm 2.0 Summicron hat eine recht „weite“ Nahgrenze. Unter 50cm sollte man nichts versuchen, was manchmal ganz schön nervt. Bei Messsucherobjektiven ist das durch den ganzen Parallaxenkram schon klar- bei aktuellen Objektiven für spiegellose Systeme wundert mich das schon. Leica gibt zwar 30cm als Nahgrenze an, tatsächlich hat sich per Autofokus nicht ein einziges Foto unter 50cm ergeben. Der Fokus pumpt und pumpt und … und dann macht man das Bild halt anders.

Naheinstellgrenze

Das Zusammenspiel zwischen Kamera und Objektiv funktioniert perfekt. Die Kamera hält sich endlich mal an die vorgegebenen Auto-ISO-Einstellungen (das kann sie nämlich mit adaptierem Glas nicht). Der Fokus allerdings pumpt. Bei schlechtem Licht sowieso – das ist dem Kontrast-Autofokus geschuldet, da kann das Objektiv nichts dafür. Bei gutem Licht greift der Fokus präzise, aber halt recht langsam. Was mir auffällt: Das Leica TL 23mm 2.0 Summicron hat eine recht „weite“ Nahgrenze. Unter 50cm sollte man nichts versuchen, was manchmal ganz schön nervt. Bei Messsucherobjektiven ist das durch den ganzen Parallaxenkram schon klar- bei aktuellen Objektiven für spiegellose Systeme wundert mich das schon. Leica gibt zwar 30cm als Nahgrenze an, tatsächlich hat sich per Autofokus nicht ein einziges Foto unter 50cm ergeben. Der Fokus pumpt und pumpt und … und dann macht man das Bild halt anders.

Bildqualität

Perfekt! Fertig.

Im Ernst: Das Leica TL 23mm 2.0 Summicron liefert wundervolle Fotos ab. Man bekommt etwas cremige Bilder hin bei Offenblende, die allerdings auf dem Punkt, wo man es möchte, knackscharf sind. Die Farben sind immer etwas kühl, man hat ein super Blauspektrum. Das liefert höchst angenehme Bilder (und auch Selfies, wenn man mal den Arm so richtig lang macht). Der Umgang mit Lichtern ist ganz weich. Mikrokontrast gibt es aber auch, so dass ein wenig 3D-Pop entsteht. Insgesamt ein „echtes“ Leica-Objektiv irgendwie. Ich denke, auf einer Leica CL mit 24 Megapixeln und einem besseren Autofokus, hat man auch recht viel Potential zum Bilder ausschneiden, die Pixelschärfe kann man aus dem Objektiv jedenfalls herauskitzeln.

Was allerdings nicht wirklich optimal ist: Die Verzeichnung fällt mir zu hoch aus. Capture One beinhaltet dankenswerterweise ein „lens profile“ für das Leica TL 23mm 2.0, allerdings sind damit noch nicht alle Fehler behoben. Linien sind oft gewölbt. Mich stört das im Alltag nicht unbedingt und wer oft Menschen fotografiert, kann gerade dadurch auch Bilder machen, die fürs Auge angenehm sind – nicht zu korrigiert. Wer aber mal ein bisschen Architektur aufnimmt… oh je. Ich habe es für ein persönliches Projekt mit Plattenbau zu tun – da sind die Linien normalerweise sehr sehr gerade… Nur eben mit dem Leica TL 23mm 2.0 Summicron nicht. 😉

Fazit

Die Kamera lieferte noch „bessere“ Bilder als mit bewährten Fremdobjektiven ab. Die Belichtung stimmt auf den Punkt und die Auto-ISO-Einstellungen werden tatsächlich mal beachtet. Man gewinnt ziemlich viel dazu, wenn man das Leica TL 23mm 2.0 Summicron auf seine Leica T setzt. Allerdings schnelle Fotos… eher nicht. Da das Display der Leica T für offenblendiges manuelles Scharfstellen eher zu schrottig ist, sind originäre AF-Objektive schon angesagt. Da bildet das Leica TL 23mm 2.0 Summicron keine Ausnahme. Es ist toll, kaufen werde ich es mir allerdings erstmal nicht, auch wenn ich das Glück hatte, bei FOTO-GÖRLITZ ein wirklich perfektes Exemplar zu finden. Dafür nutze ich die Leica T zu selten.