Leica M Monochrom 246 (10930)

Erfahrungsbericht – Test – Review

von Elmar Egner + Mehrdad Samak-Abedi

Das Thema „Fotografie mit einer Leica M“ ist zwiespältig. Die Einen würden sich freuen, irgendwann in ihrem fotografischen Leben mal bei einer M zu landen oder besitzen bereits eine. Die Anderen schütteln den Kopf und fragen sich, wie man so viel Geld für eine Kamera ausgeben kann. Dazu kommen womöglich jeweils noch technische Diskussionen um Aktualität der Teile etc. Die Marke Leica polarisiert da schnell. 

Ich selbst gehöre nicht zu den Kopfschüttlern, habe es mir allerdings auch nicht unbedingt gewünscht, mal eine Leica M zu besitzen. Ich kann die Faszination insgesamt nachvollziehen. Irgendwann ließ ich mich zu dem Statement hinreißen: „Wenn überhaupt eine M, dann eine Monochrom.“ Tja. Rund drei Jahre später, Anfang 2019 steh ich da und halte eine, nein, meine Monochrom in Händen. Hier möchte ich voll und ganz FOTO-GÖRLITZ danken, mir das ermöglicht zu haben, eine sehr gute Monochrom zu finden! 

Warum gerade Monochrom? Einer der ersten Sätze, die ich mir anhören durfte, als ich sagte, dass ich solch eine Kamera kaufe, war: „Mit meiner M10 kann ich auch schwarzweiß fotografieren.“ Ja, ja, das stimmt. Aber eigentlich auch nicht. Mich fasziniert Licht. Was sollte da besser sein, als eine Kamera, die eigentlich nur Lichtwerte aufnehmen kann?

Leica M Monochrom 246 + M 50mm 2.0 APO

Verarbeitung

Die Verarbeitung der Monochrom, hier die Monochrom 246, lässt keine Wünsche offen. Ich habe das Glück, ein gebrauchtes Exemplar in perfektem Zustand erwischt zu haben. Alles fühlt sich „satt“ an. Etwas auf der schwereren Seite, wenn man so will. Allerdings stört mich das nicht, da ich spiegellos nicht aufgrund eines Gewichtsvorteils nutze. Da kommen andere Qualitäten ins Spiel. Insgesamt mach die Leica Monochrom 246 einen robusten Eindruck. Dennoch würde ich sie jetzt nicht unbedingt achtlos durch die Gegend werfen. Einen Messsucher kann man auch durch zu viel Geschüttel dejustieren. Das muss aber auch nicht sein, wenn man sein Material einfach gut behandelt!

An der Kamera ist sozusagen alles „perfekt“. Von der M-P haben sie beim Bau das Saphirglas am Display übernommen. Ein guter Schachzug, wie ich finde. Es ist etwas robuster gegenüber Mikrokratzern, die beim Ein- und Auspacken passieren können. Alle Knöpfe funktionieren perfekt, da wackelt nichts. Sowas erwarte ich allerdings auch von dieser Traditionsmarke.

Haptik – Bedienung

Das Lage der Bedienelemente ist etwas, an das man sich äußerst schnell gewöhnt hat. Nicht zu viele Knöpfe oder Rädchen. Da spielt Leica genau die richtige Melodie im Thema „Reduktion auf‘s Wesentliche“. Einzig die kurze Zeit zwischen Einschalten und tatsächlicher Bereitschaft zum Auslösen hat mir anfangs etwas lang gedauert. Ich bin jemand, der seine Kameras zwischendurch ausschaltet. Wenn dann schnell mal ein Foto gemacht werden soll, ist eine Wartezeit bis der Vorhang fertig ist, etwas gewöhnungsbedürftig. 

Insgesamt bin ich mit dem Handling der Monochrom zufrieden. Sie liegt für mich gut in der Hand, geschützt ist sie dabei durch eine Ledertasche, welche die Griffigkeit noch erhöht. Es macht Freude, mit diesem Werkzeug zu arbeiten, denn sie kann nicht viel, aber was sie kann, macht sie perfekt.

Menü

Die Menüstruktur erschließt sich recht schnell, aber nicht so logisch. Beim Aufrufen des Menüs, das hinter der Taste „Menü“ verborgen ist, erwarte ich eine Übersicht mit allen(!) relevanten Einstellungen. Tja. Ausgerechnet die wichtigen fotografischen Parameter fehlen allerdings. Ich war verwundert und klickte mich erstmal durch. Letztlich sind dann diese Dinge genau hinter der Taste „Set“ verborgen. Wenn man es weiß – super! Im Grunde findet man also das „Quick Menü“ (sozusagen) einfach unter „Set“.  Die ISO-Einstellung… Nun, daran bin ich auch kurz verzweifelt. Unter „Set“ hatte ich etwas eingestellt, wollte das aber schnell mal ändern. Gut, dafür gibt es ja die „ISO“-Taste. Aufrufen und dann Rädchen drehen… passiert aber nichts. Also ISO-Taste drücken und drehen. Dann geht es. Ich schreib das nur, weil es mich anfangs verwundert hat, da mit beiden Händen ran zu müssen.

Messsucher, Live View und EVF

Wenn ich überlege, was mich am meisten von einer Leica M abgehalten hatte, dann wohl eins: der Messsucher. Ich mag ja verschiebbare Fokuspunkte sehr. Focus-Recompose ist eine Technik, die ich schon oft praktiziert hatte, mir aber nicht immer passt. Da, wo die Schärfe auf den Punkt stimmen muss, kommt das nicht unbedingt infrage, von der Arbeit mit Stativen ganz zu schweigen. Dass man an einer M manuell fokussieren muss… Geschenkt. Ich fotografiere seit Jahren manuell und das zum Teil an (D)SLR-Kameras. Da ist man ja Kummer gewöhnt sozusagen. Allerdings empfinde ich das teils langsame Suchen des richtigen Fokus als positive Sache. Manuell fokussieren ist für mich Konzentration auf die Aufnahme. Aber: Der Messsucher-Patch liegt ja nunmal immer in der Mitte. Also doch wieder Focus-Recompose. Mit ein bisschen Übung hat man es schnell verstanden, wie man auch mal umschwenken kann. 

Auf dem Stativ jedoch vermisse ich verschiebbare Fokuspunkte schon. Die Monochrom kann zwar auch im Live View beziehungsweise im aufsteckbaren EVF auch eine „Sucherlupe“ gewährleisten. Allerdings nur in der Mitte des Bildes. Das ist schade. Das geht erst mit der M10. Jetzt muss man sich allerdings die Frage stellen, was wohl der Haupteinsatzzweck einer Leica M Monochrom sein wird… Vermutlich nicht unbedingt die Stativarbeit mit Fokus unten-außen. Eher nimmt man sie in die Hand und fotografiert das Leben ringsum. Und da stören die Einschränkungen überhaupt nicht.

Tatsächlich bin ich von der Arbeit mit dem Messsucher so positiv überrascht gewesen, dass ich letztlich ja nun auch gekauft habe. 

Akkulaufzeit und moderner Schnickschnack

Ein wunderbarer Aspekt an der Monochrom 246 ist die Akkulaufzeit. Sie kommt nicht ganz an eine moderne DSLR ran, aber beinahe. Ich habe anfangs den Akku mal auf 100% geladen und dann erstmal fotografiert. Und fotografiert. Und live view ausprobiert. Und den EVF ausprobiert. Und Fremdobjektive adaptiert und lange ausschließlich den EVF genutzt. Und rund 1500 Aufnahmen später war der Akku bei 20%. Tja. Das ist schon super, finde ich. Ein wenig gefilmt hatte ich auch, mal so zum Testen. Insgesamt kann man wohl mit der Kamera und einem voll geladenen Ersatzakku beruhigt ins Wochenende fahren und sich nicht ärgern, wenn man das Ladegerät daheim vergessen hat. 

Theoretisch also alles gut auf der technischen Seite? Jain! Die Kamera arbeitet äußerst zuverlässig und der Akku hält lange durch. Was will man mehr? Eigentlich nichts. Eigentlich… Eine Funktion, die ich sehr gern mag, ist das drahtlose Übertragen von Bildern aufs Smartphone. Das kann die Monochrom 246 leider nicht. Macht aber nichts. Dann eben später. Oder… Fotografiert man in DNG+JPG, dann lassen sich letztere auch per anderer Kamera drahtlos rüberschicken. Wer also eine aktuelle Kamera (mit WIFI- und Farboption 😉 ) dabei hat, kann sich ja die Bilder so schicken. Kein Hindernis also für eine Monochrom 246.

ISO und Bildqualität

In Reviews, die so im Netz herumgeistern, konnte man oft von der hervorragenden ISO-Leistung der Monochrom 246 (und auch ihrer Vorgängerin) lesen. Das kann ich bestätigen, gebe aber zu Bedenken, dass die ISO-Leistung einfach der M240 entspricht, nur dass logischerweise das Farbrauschen fehlt. Das führt bei ISO25000 zu sehr sehr rauscharmen Bildern, allerdings sollte man dann in der Nachbearbeitung wirklich nicht mehr pushen. Die Basis-ISO liegt übringens bei 320 – Offenblendfanatiker sollten ND-Filter mit einplanen da nur eine maximale Belichtungszeit von 1/4000 möglich ist! Wenn man also moderat nachbearbeitet und vielleicht ab und zu die Schatten etwas raufzieht oder dergleichen, kann man mit der Monochrom 246 gut arbeiten. Ein bisschen „Lichter retten“ geht auch, allerdings nicht so viel wie mit einer Farbkamera. 

Die Monochrom 246 belichtet, wenn man die Automatik machen lässt, sehr neutral. Nicht zu dunkel, nicht zu hell. Allerdings auch nicht so flau wie die Vorgängerversion. Als Nutzer von Zeiss-Objektiven bin ich damit geschlagen, dass die Monochrom keine Codierung erkennt, man also das ähnliche bzw entsprechende Leica Objektivprofil auswählen muss. Das ist sehr schade, man kann allerdings so auch den Look etwas beeinflussen. Da ich kein Technik-Nerd bin, werde ich das hier nicht weiter ausführen. Wer eine Monochrom 246 in Händen hält, kann ja mal ein bisschen spielen!

Allgemein

Schwarz-Weiß-Fotografie finde ich faszinierend. Meine ersten Versuche mit Fotografie überhaupt waren auf Schwarz-Weiß-Film, denn Farbfilm war in der DDR zu teuer für ein Kind. In den letzten Jahren habe ich immer wieder ein reines Schwarz-Weiß-Medium genutzt: Film. Allerdings ist jeder Film für sich anders geartet und es kommt die teils ewige Warterei beim Entwickeln dazu. Manchmal ist das schön für den Überraschungseffekt. Aber manchmal möchte man seine Bilder auch gleich sehen. Also schnell die Kamera auf Schwarz-Weiß eingestellt… Läuft. Ich nutze allerdings gern Rohdaten und bin dann immer wieder etwas irritiert, wenn ich mein monochromes Bild dann bearbeiten möchte und plötzlich alles wieder bunt ist. Tja, anders ist es natürlich bei der Monochrom. Da muss man sich immer bewusst sein, was man da eigentlich tut. Da gibt es keine bunten Rohdaten, die man später nochmal anders nutzen kann. Und genau das ist es, was mich reizt. Man nimmt einfach Licht und Dunkel auf.

So, nun habe ich mich also für eine Leica Monochrom 246 entschieden und dafür, und so wird es vielen gehen, einiges an Ausrüstung verkauft. Das war ein guter Schritt für mich, mag ich doch Schwarz-Weiß-Fotografie sehr. An den Messsucher habe ich mich inzwischen auch gewöhnt… Tja. Vermutlich ist was dran, dass viele das Verwenden einer Leica M als „intuitiv“ beschreiben. Vor ein paar Tagen hatte ich eine andere Kamera dabei und die Monochrom blieb mal im Schrank. Ich musste schon etwas über mich schmunzeln, denn irgendwie habe ich sie vermisst…

Euer Elmar Egner und Mehrdad Samak-Abedi-Abedi von www.qimago.de